Elternlotsen

Aus dem Leben eines Elternlotsen

Ausgerechnet! Montagmorgen! Halb acht an der Kreuzung stehen! Wieso hab‘ ich mich bloß dazu breitschlagen lassen?? Um die Zeit brauch‘ ich doch selbst erstmal Kaffee und Frühstück! Schnell zur Kreuzung Heschredder/Etzestraße hasten, dabei noch durch geschickte Verrenkungen die im hanseatisch klassischen Schnitt von Jil Sander entworfene, neongelbe Weste überwerfen und am Hauptübergang postieren. Geschafft; zum Glück noch vor K., die immer so pünktlich ist und gerade heranbraust mit ihrer orangenen Weste, die  ihr montags immer wieder anerkennende Grüße der Müllabfuhr beschert. Schon kommen die ersten Kids, noch genauso vom Wochenende geschafft und unaufgewacht wie ich. Kritisch beäugen wir die fußfaulen Kunden der Bäckerei, die wahllos über die Kreuzung kurven und schließlich mitten im Einmündungsbereich parken, „um mal eben“ Brötchen zu holen. Mit Schlangestehen und schwerem Entscheidungstreffen zwischen Dinkel-, Mohn- und Laugenbrötchen werden da locker mal 5-10 Minuten draus – Zeit, in der die Sicht auf herannahende Autos stark erschwert wird und deren Geschwindigkeit nicht leicht einzuschätzen ist. Hinzu kommt, dass Etzestraße und Heschredder gern als Ausweichstrecke für den seit dem Umbau staugefährdeten Erdkampsweg genutzt werden, so dass hier oft ein hohes Verkehrsaufkommen ist. Und viele sind sich selbst am nächsten; von Tempo 30 und rechts vor links haben sie noch nichts gehört…Wenn dann noch ein Wohnmobil an der Kreuzung parkt und die Stadtreinigung vorfährt, wird es abenteuerlich. Komplexe Verkehrssituationen, denen Kiddies noch nicht so gewachsen sind und an die sie herangeführt werden müssen: Neben der ehernen Links-rechts-links-Regel schnell entscheiden, jetzt zu gehen oder noch zu warten, bis die Übersichtlichkeit für klare Entscheidungen hergestellt ist, und los geht’s! Meist im großen oder kleineren Trupp, da macht das Zur-Schule-gehen gleich mehr Spaß. Auch K. und ich halten zwischendurch noch ein kleines Schwätzchen, gern auch mit anderen Eltern, die ihre Kids bis zu uns bringen. Eigentlich fehlt nur noch ein Becher Kaffee…

Nach vier Jahren Crossing Observation (cooler Job!) warten nun andere Unterstützungen in der neuen Schule auf mich, und ich nehme Abschied von einem liebgewordenen und m.E. hier wie an den anderen neuralgischen Kreuzungen im RMD-Viertel notwendigen Ritual, unsere Kids fürs Leben fit zu machen. Dafür habe ich am Ende gern morgens die kleinen Unbequemlichkeiten bei Wind und Wetter auf mich genommen. Wär schon toll, wenn sich wieder jemand fände… (rs)